Bornheimer Landwehr 79 b
60385 Frankfurt am Main
Telefon: 069 40560-0
Nachdem im vergangenen Jahr die Purimparty wegen eines Gastroenteritisausbruches ausfielen musste war in diesem Jahr die Freude auf Purim umso größer. Viele Senior*innen, auch aus der Altenwohnanlage, kamen in den von der Hauswirtschaft toll dekorierten Festsaal. Bemerkenswert war, dass aus dem Vorstand neben Dezernentin Rachel Heuberger mit Benjamin Graumann und Marc Grünbaum beide Vorstandsvorsitzende anwesend waren. Gerade in diesen Tagen ein wichtiges Zeichen.
Dr. Heuberger begrüßte die Anwesenden mit einer Ansprache. Dr. Bamberger las die Megilath Esther und anschließend sorgte Baruch Chauskin musikalisch für fabelhafte Stimmung. Viele Bewohner*innen und Mitarbeitende waren verkleidet, tanzten und hatten einen tollen Nachmittag, der von den bunten Hamantaschen versüßt wurde.
Die Gemeinde beging diesen Meilenstein mit einem Festakt am 27. Juni 2024
Das Altenzentrum der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main an der Bornheimer Landwehr ist das größte jüdische Alten- und Pflegeheim in Deutschland. Es wurde auf dem Gelände des ehemaligen Krankenhauses der Israelitischen Gemeinde errichtet, das im Oktober 1942 durch die Nationalsozialisten zwangsgeräumt wurde. Die meisten der damaligen Patientinnen und Patienten wurden in Konzentrationslager deportiert und überlebten die Schoa nicht. Damals hätte man sich nicht vorstellen können, dass dieser Ort je wieder ein Zuhause für jüdisches Leben werden würde. Ein Ort, an dem nunmehr seit 50 Jahren jüdische Werte und die Tradition der jüdischen Fürsorge gelebt werden.
Empathie, Verständnis und Humanität: Dass die Arbeit seiner Eröffnung vor 50 Jahren auf diesen Grundwerten beruht, wurde beim Festakt am 27. Juni 2024 deutlich. Einrichtungsleiter Sandro Huberman und Patrick Wollbold sowie Vorstand und Dezernent Prof. Dr. Leo Latasch betonten dies in ihren Ansprachen. Latasch verwies zudem auf die lange zurückreichende Frankfurter Tradition jüdischer Alten- und Krankenpflege.
Bürgermeisterin Dr. Nargess Eskandari-Grünberg und Staatssekretär Uwe Becker würdigten ebenfalls die Arbeit des Altenzentrums. Während der Großteil der Bewohnerschaft jüdisch ist, gehören die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehrheitlich diversen Konfessionen an. Auch vor diesem Hintergrund sind Empathie, Humanität sowie ein hohes fachliches pflegerisches Niveau und Pflegekonzept weiterhin die Eckpfeiler für ein gutes Zusammenleben. Das jüdische Haus ist mit dieser Vielfalt auch sinnbildlich für die Stadt Frankfurt.
Der Historiker Fedor Besseler rückte das Krankenhaus der Israelitischen Gemeinde, das bis zur Schoa an der Gagernstraße stand, und die Geschichte des Altenzentrums in den Fokus seines Vortrags. Dr. Rosa Guttmann, deren Vater Hermann Zvi Guttmann das Altenzentrum entwarf, ließ die Gäste an ihren berührenden Kindheitserinnerungen teilhaben.
Der in den 1970er-Jahren erbaute Neubau-Komplex auf dem Grundstück des jüdischen Krankenhauses ist für insgesamt 174 Seniorinnen und Senioren ausgelegt. Damit legte die Jüdische Gemeinde den Grundstein dafür, dass ältere und pflegebedürftige jüdische Menschen in Frankfurt in einem professionellen und geschützten Rahmen in Würde ihr Leben und die jüdische Traditionen weiterführen können. Im Anschluss an die offizielle Feier, die musikalisch von Alexander Darmits begleitet wird, fand ein Empfang für alle Gäste statt.
Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums wurde zudem eine Publikation zu Geschichte und Gegenwart des Altenzentrums vorgestellt.
Eine Woche nach Schawuot feierte das Altenzentrum bereits Ende sein diesjähriges Sommerfest. Pünktlich um 9 Uhr setzte teilweise kräftiger Regen ein, sodass der Festauftakt kurzfristig in den Festsaal verlegt werden musste. Für die passende Stimmung sorgte dort das Duo Sabava, das die Gäste musikalisch auf den Tag einstimmte.
Nachdem der Regen nachgelassen hatte, verwandelten die Mitarbeitenden den Garten in kürzester Zeit wieder in eine festliche Veranstaltungsfläche. Schon bald fanden sich Bewohnerinnen und Bewohner, Angehörige sowie zahlreiche Gäste im Freien ein.
Vor rund 350 Anwesenden eröffnete Dr. Rachel Heuberger, Vorstandsmitglied und Dezernentin, offiziell das Sommerfest. In ihrer Ansprache dankte sie den Mitarbeitenden herzlich für ihr tägliches Engagement und ihre wertvolle Arbeit. Zudem hob sie die Bedeutung der umfangreichen Maßnahmen zur Hitzeprophylaxe hervor, darunter den neuen hochwertigen Sonnenschutz im Garten. Das Thema Klimatisierung und Hitzeschutz hat für das Altenzentrum und die Jüdische Gemeinde Frankfurt einen hohen Stellenwert. Dank der Unterstützung der Gemeinde ist das Haus in diesem Bereich sehr gut aufgestellt und bemüht sich, den Seniorinnen und Senioren auch künftig die bestmöglichen Bedingungen zu bieten.
Das Sommerfest wurde von zahlreichen Vertreterinnen und Vertretern der Jüdischen Gemeinde begleitet. Begrüßt werden konnten die Rabbiner Julian Soussan und Avichai Apel, der in seiner Ansprache den Mitarbeitenden seinen besonderen Dank aussprach. Aus dem Gemeinderat nahmen die Vorsitzende Miriam Adlhoch sowie Raphael Perl, Alexis Petri und Nachumi Rosenblatt teil. Der Vorstand war mit Dr. Rachel Heuberger, den beiden Vorsitzenden Benjamin Graumann und Marc Grünbaum sowie Dr. Daniel Korn und Boris Milgram sogar komplett vertreten. Ihre Teilnahme war ein sichtbares Zeichen der Verbundenheit mit den Seniorinnen und Senioren sowie den Mitarbeitenden des Hauses.
Ganz im Zeichen des Mottos „Fiesta Mexicana“ entwickelte sich das Sommerfest zu einem fröhlichen Tag voller Musik, Tanz und Begegnungen. Für besondere Höhepunkte sorgte Sänger Danny Randa mit beliebten Klassikern, die viele Gäste zum Mitsingen einluden. Begeisterung löste auch die Tanzgruppe México Mágico Frankfurt aus, die mit farbenprächtigen Kostümen und temperamentvollen Darbietungen mexikanisches Flair in den Garten brachte. Im Laufe des Tages zeigte sich bei sehr angenehmen Temperaturen immer häufiger die Sonne.
Zum Abschluss des Festes erklangen erneut traditionelle Lieder. Ein besonders bewegender Moment war das gemeinsam von allen Mitarbeitenden vorgetragene „Hevenu Shalom Aleichem“. Das Lied vermittelte Hoffnung, Gemeinschaft und Zusammenhalt und bildete den emotionalen Schlusspunkt eines rundum gelungenen Sommerfestes.
Das Altenzentrum der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt ist nicht nur offen für ältere Menschen, es ist eine Komplexeinrichtung mit verschiedenen Angeboten, In dem alte Menschen und jüngere Menschen mit Behinderung Pflege und Unterstützung erhalten, die auf ihre jeweiligen Bedürfnisse und Lebenslagen abgestimmt sind. Wir sind ein Jüdisches Care Center.
Wir bieten 153 Plätze im Pflegeheim für ältere Menschen, davon 15 eingestreute Plätze für Kurzzeitpflege, 21 Plätze im Wohnhaus für jüngere pflegebedürftige Menschen mit Behinderung, 13 Plätze in der Tagespflege und 111 Wohnungen für ältere Menschen im Rahmen des Betreuten Wohnens.
Jeweils 13 Bewohner leben in einer Wohngruppe mit einer eigenen Wohnküche, wo außer den Mittagsmahlzeiten alle anderen Mahlzeiten zubereitet werden. Bei der Zusammensetzung der Wohngruppen wird darauf geachtet, dass sich die Bewohner sprachlich verständigen können und dass sie sich möglichst auch mit Blick auf ihre kognitiven Fähigkeiten miteinander verständigen können.
Im Zentrum befindet sich eine Synagoge, wir haben einen schönen Garten, eine Cafeteria und einen Kiosk. Friseur und Fußpflege gehören ebenso zu den Dienstleistungen, die im Haus zur Verfügung gestellt werden wie eine Praxis für Physio- und Ergotherapie.
Das Haus liegt zentral in der Nähe der U-Bahnstation Parlamentsplatz und nicht weit vom Anschluss an das Autobahnnetz. Der Ostpark ist fußläufig erreichbar, genauso wie die Bergerstraße mit ihren Cafés, Restaurants und Geschäften.
Der Träger des Zentrums ist die Jüdische Gemeinde Frankfurt/Main.
Sie stellt die Begleitung der Bewohner durch einen Rabbiner sicher und sie wacht darüber, dass das Haus jüdisch geprägt ist und dass sich an die Einhaltung der Kaschruth-Vorschriften gehalten wird. Trotz dieser eindeutig jüdischen Prägung sind auch nicht jüdische Bewohner und Nutzer der Angebote willkommen.
Im JAZ werden die jüdischen Feiertage in Gemeinschaft zelebriert und jeden Freitag und Samstag findet der G“ttesdienst in der eigenen Synagoge statt und anschließend wird zum gemeinsamen Kiddusch eingeladen.
Ca. 25% der Bewohner in allen Bereichen kommen nicht aus dem jüdischen Milieu. Viele von ihnen sind Christen, Menschen ohne religiöse Bindung oder auch Muslime. Neben dieser Offenheit ist das Haus multiethnisch- und multikulturell geprägt, was nicht nur für die Bewohner, sondern auch für die Mitarbeiter gilt.
Die jüdischen Bewohner kommen aus mehr als 10 Herkunftsländern, viele Sprachen werden im Heim gesprochen, wobei neben den Menschen, die deutsch als Muttersprache sprechen die Bewohner aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion mit einem Anteil von knapp 40% an der Bewohnerschaft die größte sprachlich homogene Gruppe bilden.
Das Haus hat sich sowohl baulich als auch konzeptionell auf diese Vielfalt eingestellt.