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Konzeption für den Betrieb des Altenzentrums der Jüdischen Gemeinde in
Frankfurt/Main

Frankfurt, im Februar 2010

Inhalt:1. Einleitung
2. Das religiöse Leben
3. Die Bewohner des Altenzentrums
Pflege- und Pflegeprofile
Überlebenden der Shoa
Transkulturelle Pflege
Die praktische Arbeit in einer transkulturellen Organisation
Pflegeprofil Demenz / Demenz als Herausforderung für das Heim
Räumliche Gestaltung
Praktische Arbeit mit Dementen
4. Qualitätsmanagement in Anlehnung an DIN SIO 9001/2008
Grundsätze des Qualitätsmanagements im JAZ
Instrumente der Qualitätskontrolle und der Evaluation
Beschwerdemanagement
Fort- und Weiterbildung
5.Leitbild für Pflege und Alltagsmanagement
Die Organisation der Pflege und Betreuung
Heimaufnahme

1.
Einleitung
Das Altenzentrum der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt ist ein Verbundsystem, mit Altenpflegeheim, einer angrenzenden Altenwohnanlage und integrierter Tages- und Kurzzeitpflege.
Das Heim befindet sich in zentraler Lage im Ortsteil Bornheim auf dem Gelände des ehemaligen Jüdischen Krankenhauses. Das Heim ist hervorragend an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. Ein kleiner Park im Innenbereich gibt den Bewohnern die Möglichkeit zur Bewegung an der frischen Luft in einer ge-schützten Umgebung.

2.
Das religiöse Leben
Die Regeln des Jüdischen Lebens im Heim sind bindend für die Bewohner und die Mitarbeiter des Zentrums. Das Jüdische Leben im Heim bedeutet die Be-wahrung der Jüdischen Tradition, die ihren besonderen Ausdruck in der Einhaltung der Jüdischen Feiertage und in der Achtung des Schabbat findet.
Die Speisenversorgung der Heimbewohner steht unter der Aufsicht des Rabbinats. Ein Maschgiach kontrolliert die Speisen und er ist darüber hinaus für die Gestaltung des religiösen Lebens im Heim zuständig. Wöchentlich finden G“ttesdienste in der heimeigenen Synagoge statt und zwar jeden Freitag und jeden Samstag. Am Freitag wird nach dem G“ttesdienst - nach jüdischem Brauch - zum Kiddusch eingeladen.

3.
Die Bewohner des Altenzentrums
Das Heim bietet Platz für 174 Bewohner im vollstationären Bereich.
Davon werden 15 Plätze als eingestreute Kurzzeitpflegeplätze vorgehalten.
Für die Mehrzahl der Bewohner ist die deutsche Sprache nicht die Muttersprache. Viele Bewohner haben ihren Ursprung in Ost- oder Südosteuropa.
Die Bewohner haben sehr unterschiedliche kulturelle Orientierungen, auf die die Konzeption des Heimes ausgerichtet ist.
Heute leben immer noch über 40 Überlebende der Shoa im Heim.

Pflege- und PflegeprofileDie Bewohnerstruktur des Heimes ist die Grundlage für Herausbildung von Pfle-geprofilen.

Überlebende der ShoaDie größte Herausforderung ist und bleibt deshalb die Ausrichtung der Pflege und Alltagsbetreuung auf die Bedürfnisse der Überlebenden.
Neben der Mehrsprachigkeit der Bewohner, die auch bundesweit in dieser Vielfalt einmalig ist, gibt es keine vergleichbare Einrichtung der stationären Altenhilfe außerhalb des jüdischen Umfeldes, die einer so hohen Komplexität von An-forderungen gerecht werden muss.
Regelmäßige Kontakte zu AMCHA in Israel, die Schulungen der Mitarbeiter des Heimes durch den Chefpsychologen von AMCHA, Dr. Martin Auerbach, regel-mäßige psychoanalytisch orientierte Supervision und die Tätigkeit eines jüdischen Psychologen im Heim sind die Elemente, die die Pflege und Betreuung der Überlebenden begleiten.

Transkulturelle PflegeDer Anteil der Zuwanderer aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion hat sich im Laufe der Zeit auf 30-40% der Bewohnerschaft im Heim eingependelt.
Alle MitarbeiterInnen im Bereich von Pflege und Betreuung sprechen deutsch und russisch. Für verschiedene Dienstleistungen werden Dolmetscherdienste zur Verfügung gestellt.

Die praktische Arbeit in einer transkulturellen OrganisationIm Altenzentrum der Jüdischen Gemeinde wurde das Wohngruppenkonzept entwickelt, weil nur diese Organisation des Zusammenlebens von Menschen aus so unterschiedlichen Kulturen, es möglicht macht, den Bedürfnissen der einzelnen ethnischen Gruppen gerecht zu werden.

Pflegeprofil DemenzDemenz als Herausforderung für das Heim
Wie alle Heime, so hat auch das Altenzentrum der Jüdischen Gemeinde einen Zuwachs an Bewohnern zu verzeichnen, die an einer Demenz leiden. Unter einer der Formen von Demenz leiden ca. 2/3 der Bewohner.
Für über 60 Bewohner wurde der besondere Betreuungsbedarf anerkannt.
Drei MitarbeiterInnen sind ausschließlich für die deutsch sprechenden Bewohner, die nach § 87b Unterstützung erhalten, eingesetzt und eine Mitarbeiterin betreut die russisch sprechenden Bewohner, auf die diese Diagnose zutrifft.
Im Umgang mit den als dement bezeichneten alten Menschen im Heim muss immer wieder beachtet werden, dass es sich um Überlappungen handeln kann, um psychische Leiden oder auch um Bewältigungsstrategien des posttraumatischen Geschehens. Bei den russisch sprechenden Bewohnern kann Verwirrtheit auch teilweise eine Reaktion sein auf den vollständigen Verlust des kulturellen Umfeldes oder der Heimat. In der Regel waren es die Kinder der alten Men-schen, die den Umzug nach Deutschland initiiert haben.
Als Leitfaden für die Deutung des Verhaltens dienen den Beschäftigen in der Pflege und der therapeutischen Betreuung die typischen Reaktionen auf Ge-dächtnisverlust wie
° Unruhe und Aufgelöstheit mit motorischer Unruhe, Lamentieren und
Verzweiflung
° Rückzug und Resignation mit Gleichgültigkeit gegenüber allen
Aktivitäten des täglichen Lebens, Interessenlosigkeit
° Verleugnung mit Aufrechterhaltung der Fassade, Konfabulieren
° Aggression mit sich zur Wehr setzen, wenn man sich in die Enge
getrieben fühlt
° Regression - man sucht die Nähe von stärkeren Menschen, man will
gesagt bekommen, was man tun soll, die Menschen haben ein
starkes Anlehnungsbedürfnis
° Akzeptanz und Anpassung ist ein "Idealzustand" in der individuellen
Bewältigung der Demenz, der kaum erreicht wird.

Für den alltäglichen Umgang mit den Dementen ist es wichtig, dass das Pflege- und Betreuungspersonal sich über das Wissen um die Erkrankungen und ihre Symptome ein Verstehensumgang zu dem Verhalten der Kranken erschließt, woraus dann die Orientierung für geeignete Reaktionen derjenigen wächst, die mit diesen Menschen arbeiten.
Nachdem die Literatur einige Orientierungsmuster für den Umgang mit Dementen bietet, bleibt für den alltäglichen Umgang allerdings die Feststellung, dass es nur wenige verlässliche Raster gibt.
Orientierungspunkte sind:
1. Die Biographie,
2. die Emotionalität,
3. die Hirnleistungsfähigkeit
4. kognitive Kompetenzen und Kompetenzen bei der Bewältigung der Aktivitäten des täglichen Lebens.

Grundsätzlich ist die Biographie bedeutsam, insbesondere, was die Reaktion auf Reize der Umgebung, die sich diese Menschen nicht mehr erklären können, betrifft.
Demente leben in einer imaginären Welt, die Vorstellungen werden geprägt von Lebenserfahrungen, wobei immer noch „Erinnerungsinseln“ vorhanden sind, die je nach auslösenden Reizen reaktiviert werden. Viele Demente bewahren ihre Identität, die Erinnerungsinhalte aus vergangenen Zeiten bilden ihr Gerüst für die Wahrnehmung des aktuellen Geschehens und die Aufrechterhaltung der Identität.
Daran orientiert sich die Gestaltung des Alltags mit ihnen.
Wichtige Hinweise sind die, dass Demente emotional ansprechbar sind, sie nehmen Botschaften ihrer Kommunikationspartner auf, sie empfinden Freundlichkeit und Anerkennung genauso wie Ablehnung und Unverständnis.
Als therapeutische Grundlage für den Umgang mit Dementen dient ein Methodenmix von Validation, Gedächtnistraining und Unterstützung bei den alltäglichen Verrichtungen.
Der validierende Umgang heißt in unserem Sinne mehr, die emotionale Bezie-hung herzustellen und zu erhalten, weniger alle Gefühle die der Demente äußert reflexiv zu verstärken.
Grundsätzlich sollen alle Pflege- und Betreuungskräfte über die unterschiedli-chen Formen der Demenz und ihre Symptome Bescheid wissen. Weniger Wert wird im alltäglichen Umgang auf die genaue Diagnostik gelegt, es geht wesentlich darum, die Grundmuster zu erkennen und einige Verhaltensweisen im Umgang mit den Dementen zu beachten.
Die Grundlage bildet die Erkenntnis, dass die Demenz geistige Defizite hervorruft aufgrund einer hirnorganischen Veränderung.
Dabei gibt es unterschiedliche Erscheinungsformen und unterschiedliche Schweregrade.
Demente versuchen mit ihrer Krankheit so umzugehen, dass sie aus ihrem bio-graphischen Repertoire Erinnerungsinseln und Reste ihrer Identität aktivieren, um die Defizite, die sie zumindest im Anfangsstadium bemerken, zu kompensieren.
An Demenz erkrankt zu sein bedeutet, dass es unmöglich ist, ohne fremde Hilfe den Alltag zu bewältigen.

Räumliche GestaltungDas Altenzentrum der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt bietet von den räumlichen Voraussetzungen zwischenzeitlich günstige Bedingungen, nach neueren Betreuungskonzepten (wie z.B. das von französischen Gerontologen bekannt gemachte Konzept „Le CANTOU“) zu arbeiten.
Die dementen Bewohner wohnen gemeinsam in Wohngruppen.
Jede Wohngruppe wird von zwei Alltagsmanagerinnen betreut, die eine mindestens 12-stündige Anwesenheit in der Wohngruppe garantieren.
Die Merkmale, die für die Zuordnung in eine der Dementengruppen dienen, sind einmal die Muttersprache und zum anderen das Ergebnis des Mini-Mental-States sowie das Screening-Instrument zur Feststellung des besonderen Betreuungsbedarfs nach § 87 SGB XI.
Das Heim wird von einem Gerontopsychiater betreut, der die medikamentöse Versorgung der Bewohner übernimmt.

Praktische Arbeit mit DementenDie Gruppen treffen sich zum gemeinsamen Frühstück. Beim Essen wird darauf geachtet, dass die Bewohner nach ihren Fähigkeiten und Neigungen mit den Mahlzeiten umgehen und dass sie alles selbst tun, was ihnen noch möglich ist.
Das gemeinsame Essen findet in Anlehnung an den Gedanken des „Cantou“, des gemeinsamen Herdes statt. Einige Demente, die bislang nicht in der Lage waren, ihre Nahrung mundgerecht vorzubereiten können dies wieder, sie lernen wieder selbständig zu essen und kleinere Handreichungen zu tun. Sie werden in die Vorbereitung des Frühstücks und des Mittagessens einbezogen, indem sie den Tisch decken und die Lebensmittel verteilen und vorbereiten. Andere blei-ben hilfebedürftig, weil ihr Krankheitsstadium keine Entwicklung mehr zulässt.
Im Verlauf des Tages werden einige Tätigkeiten, Spiele oder Trainings entwickelt, die die Gruppe gemeinsam gestaltet. Konzeptionell orientiert sich die Wahl der Hilfsmittel und Übungen an Überlegungen, kognitive Kompetenzen soweit sie vorhanden sind, zu erhalten und zum anderen daran, die Botschaften der Dementen in einem validierenden Verständnis zu entschlüsseln und Kompe-tenzen im Hinblick auf die ADLs durch regelmäßiges Training zu erhalten.

4.
Qualitätsmanagement in Anlehnung an DIN ISO 9001/2008

Grundsätze des Qualitätsmanagements im JAZIm Rahmen der Qualitätssicherung hat sich das Altenzentrum der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt für die Einführung eines Qualitätsmanagementsystems in Anlehnung an die DIN EN ISO 9001/2008 entschieden.
Das systemische Managementkonzept nach dem St. Gallener Modell wurde zur Grundlage der Führung des Zentrums gewählt.
Entsprechend werden die Instrumente genutzt und die Verantwortung an die einzelnen Abteilungen delegiert.
Die genannten Managementkonzepte sind auf den Prozess orientiert.
Sie entsprechen den in der Sozialwirtschaft geforderten Qualitätskriterien, die sich nach Donabedian nach Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität gliedern. Die hierarchischen Ebenen sind vollkommen flach gehalten, so dass alle Abtei-lungen sich dahin entwickeln können, im wirtschaftlichen Sinne als Profit-Center geführt zu werden und im fachlichen Sinne als Dienstleistungszentrum für die Bewohner.

Instrumente der Qualitätskontrolle und EvaluationIm Altenzentrum der Jüdischen Gemeinde Frankfurt werden folgende Instrumente der Qualitätskontrolle und der Feststellung der Kundenzufriedenheit genutzt:

1 Mal jährlich – Bewohnerbefragung zu allen Dienstleistungen des Hauses
1 Mal jährlich – Angehörigenbefragung zu allen Dienstleistungen des Hauses
1 Mal jährlich – Mitarbeiterbefragung
2 Mal jährlich - Pflegevisite

Die Fragebögen sind so aufgebaut, dass persönliche Wünsche und Anregungen notiert werden können.
Differenziert wird nach: männlich – weiblich, russisch sprechende Bewohner und Zuordnung nach Wohnbereichen.

BeschwerdemanagementFür das Beschwerdemanagement ist die Heimleitung verantwortlich.
Alle Beschwerden werden bearbeitet, beantwortet und in den Steuerungssitzungen abgestimmt.

Fort- und Weiterbildung als Bestandteil des QualitätsmanagementsJährlich wird der Weiterbildungsbedarf für das Heim evaluiert.
Dabei orientieren sich die Inhalte der innerbetrieblichen Fort- und Weiterbildung an den Pflegeprofilen und den Bedürfnissen der Qualitätssicherung.
Neben den regelmäßig stattfindenden innerbetrieblichen Fortbildungen
wird Mitarbeitern die Möglichkeit gegeben, an externen Fort- und Weiterbil-dungsmaßnahmen teilzunehmen.

5.
Leitbild für Pflege- und Alltagsmanagement
Das Haus ist ein jüdisches und multikulturelles Haus.
Die Menschen, die hier leben, kommen aus unterschiedlichen Ländern mit un-terschiedlichen kulturellen Orientierungen.
Das Bindende ist ihre Zugehörigkeit zum Judentum, die allerdings innerhalb der Bewohner unterschiedlich stark ausgeprägt ist.
Toleranz und Akzeptanz sind deshalb grundlegende Ansprüche, die sowohl an die Mitarbeiter im Umgang mit den Bewohnern als auch an die Bewohner im Umgang untereinander gestellt werden.
In dieser Atmosphäre haben auch christliche Bewohner ihren Platz, die einen Anteil von ca. 15 - 20% der Heimbewohner stellen.
In der Pflege und Betreuung der Bewohner wird der Biographiearbeit besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Daraus leitet sich ab, dass sowohl die unterschiedliche kulturelle Herkunft als auch das unterschiedliche Ausmaß an Leid, das jüdische Menschen in Europa wegen der Schrecken des Holocaust durchlebt haben, Berücksichtigung findet. Respekt vor dem gelebten Leben der alten Menschen wird in diesem Haus zum Maßstab für die Bemessung der Qualität des Umganges mit ihnen.
Beziehungspflege ist die Basis für den respektvollen Umgang mit den Bewohnern, der ein Konzept zugrunde liegt, das immer wieder das Ausbalancieren von Nähe und Distanz aus professioneller Sicht fordert.
Das Heim soll Heimat und Wohnung für die alten Menschen sein, dementsprechend werden Milieu und Umfeld gestaltet.
Die Bewohner haben die Möglichkeit, die Zimmer mit eigenen Möbeln einzurichten - mit Ausnahme des Pflegebettes.
Die Wohnküchen und Aufenthaltsräume werden nicht nur als Funktionsräume, sondern als Orte der Gemeinschaftspflege zur Verfügung gestellt. Die Gemein-schaftspflege ist Bestandteil der Konzeption. Daran orientiert sich die Ablaufor-ganisation der Arbeit.
Trotz des hohen Stellenwertes der Gemeinschaft wird niemand gezwungen, Gemeinschaft zu leben, wenn individuelle Bedürfnisse nach Abgeschiedenheit vorherrschend sind. Es kommt vielmehr darauf an, dass das Haus selbst ein Ort der Gemeinschaft ist. Gemeinsame Mahlzeiten der Bewohner in der gepflegter Atmosphäre ihrer Wohnküchen, die einer gehobenen Esskultur entspricht, An-gebote zur Freizeitgestaltung und Beschäftigung, Kulturveranstaltungen und Ausflüge in die Umgebung gehören ebenso dazu wie die Pflege der Gemein-schaft mit Jüdischen Gemeinden und anderen Institutionen.
Der Besuch der Synagoge und die jüdischen Feste sind Bestandteil des Heimlebens. Die Bewohner werden von den Mitarbeitern des Hauses aktiv unterstützt, um an diesem Gemeinschafts- und Heimleben teilnehmen zu können.
Die Jüdischen Feste und Hohen Feiertage sind das Zentrum der kulturellen Aktivitäten des Heimes. An diesen Tagen sind alle MitarbeiterInnen des Hauses anwesend, um die Bewohner dabei zu unterstützen, ihre Teilnahme zu sichern.
Toleranz gilt allerdings auch hier denjenigen, die an diesem religiösen Leben nicht teilnehmen wollen.
Das Eingebundensein in das Netzwerk der Gemeinde, die Sicherheit, dass Sorge getragen wird für die alten Menschen nach den Grundsätzen von „Zedakah“ und „Gemilut Chassadim“, dass ihr Schicksal, ihre Leiden und die Kraft, die sie aus ihrem Leben geschöpft haben, Respekt und Würdigung finden, das sind die Grundlagen des Leitbildes für Pflege und Betreuung.
Daraus leitet sich wiederum ab, dass der Blick auf die Kompetenzen und Stärken gelenkt wird, bevor die Schwächen und Gebrechen die Pflege und Betreuung leiten. Auch wenn das Kriegsende und damit die Zeit der Verfolgung schon mehr als 60 Jahre Vergangenheit sind, ist das Überleben und der Umgang mit den Erinnerungen immer noch das zentrale Thema im Pflege- und Betreuungs-prozess. Hier gilt es zunächst sehr sensibel aus den biographischen Erzählun-gen die Bewältigungsstrategien herauszukristallisieren und dann in Anlehnung an die Ressourcenorientierung zunächst die Stärken herauszufinden.
Dabei kann es sich um eine typische Art des Durchsetzens und des Sich-Behauptens handeln, die im Heimalltag nicht nur positiven Anklang findet. Wenn allerdings Menschen über Jahre hinweg an Leib und Leben bedroht waren und unter unvorstellbaren Bedingungen überlebt haben, geht es nur noch darum, ihnen gerecht zu werden und so wird den Überlebenden ein ideeller Raum gegeben, wo sie das ausleben können, was im Leben ihre Stärke war. Hoch sensibel muss aber auch auf Symptome geachtet werden, die die Retraumatisierung anzeigen. Solche Zustände können auftreten, wenn im politi-schen Umfeld oder im weltpolitischen Geschehen sich bedrohliche Ereignisse ereignen (wie z.B. die Verleugnung des Holocaust durch den zurzeit amtierenden iranischen Präsidenten), wenn Jahreszeiten und Gedenkfeiern die Erinne-rung wachrufen, oder wenn durch Krankheit und Alter der eigene Körper als schwach, hilflos und damit als ausgeliefert wahrgenommen wird.
Neben der Pflege und Betreuung der Überlebenden wird die transkulturelle Pflege in das Leitbild einbezogen, die im Wesentlichen keine anderen Anforderungen an den Umgang mit den Menschen stellt. Toleranz, Respekt und die Würdigung des Lebens sind die zentralen Elemente, die die Beziehungsgestal-tung prägen. Der Aspekt des Transkulturellen bezieht das Verständnis für das Gefühl des Fremdseins ein. Neue und alte Fremde mischen sich im Jüdischen Altenzentrum. Konzeptionell orientiert sich die transkulturelle Pflege mehr auf die Beachtung der Bedürfnisse der neuen Fremden, d.h. auf die Bewohner, die in den 90iger Jahren aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion zugewan-dert sind. Auch hier ist die Biographiearbeit der zentrale Verstehenszugang und die Bearbeitung von Stereotypen und Klischees.

Organisation der Pflege und BetreuungJeweils 2 AlltagsmanagerInnen und zwei Pflegefachkräfte bilden ein Kernteam, das für 13 -18 BewohnerInnen zuständig ist.
Die 4 Leitungskräfte begleiten die Kernteams. Fachlich haben die beiden Berufsgruppen unterschiedliche Arbeitspakete zu bewältigen dabei bleibt die ge-meinsame Verantwortung, die Ablauforganisation an den Bedürfnissen der Bewohner zu gestalten, erhalten.
Pflege und Betreuung orientieren sich einmal an dem individuell erhobenen Pflegebedarf an Pflegediagnose, die ergänzt durch biographische Daten, Anamnese und Assessements in eine tagesstrukturierte Pflegeplanung integriert werden (Völkel/Ehmann 2008)
Die ärztliche Versorgung der Bewohner wird sichergestellt durch Hausärzte und Fachärzte, die die Bewohner regelmäßig konsultieren können.

HeimaufnahmeFür die Heimaufnahme sind die MitarbeiterInnen des Sozialen Dienstes zuständig. Die Sozialarbeiterinnen führen die Beratungs- und Informationsgespräche mit den Heiminteressenten und sie bereiten die Heimaufnahme vor.
Vor Heimeinzug erhält der Bewohner oder sein Betreuer ausführliche Informationen zum Heimvertrag und den Dienstleistungen des Heimes.
Das Angebot an Dienstleistungen für Pflege, Betreuung und Unterkunft und Verpflegung orientiert sich am Rahmenvertrag für das Land Hessen.
Kontaktdaten:
Sozialabteilung im JAZ:
Frau Barbara Chalupa - Tel. 069-40560130
Frau Sara Mayerczik - Tel. 06940450109